Hat Freud die Mystik akzeptiert oder abgelehnt?

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In "Neue Einführungsvorträge zur Psychoanalyse" diskutiert Freud seine Ansichten über Mystik und Psychoanalyse. Das Konzept der Mystik hat sich im Laufe der Zeit verändert. In alten Zeiten war ein Mystiker jemand, der mit Gott zusammenkam. In Freuds Welt wurde das Wort Mystik zu einem allumfassenden Wort, das paranormale Phänomene beschreibt, die außerhalb der Natur- und Wissenschaftsgesetze auftreten. Die Wissenschaft tendierte dazu, mystische Ideen zu verwerfen oder zu ignorieren, weil sie als abergläubisch, irrational und unsinnig angesehen wurden. Freud assoziierte das Wort Mystik mit Séancen, Stimmen aus anderen Welten, Geräuschen, Erscheinungen, Levitation, Trancen und Prophezeiungen (Coward, 1977, S. 1). Freud hatte auch den Ruf, feindselig gegenüber der Mystik zu sein, und lehnte es ab, mystische Ideen in die Psychoanalyse zu integrieren. Seine Freundschaft mit Carl Jung endete aufgrund Jungs Überzeugungen in spirituellen und mystischen Konzepten (Wagner, 2008).

Zu Beginn des Vortrags bietet Freud eine wenig schmeichelhafte Sicht auf die Mystik und spricht herablassend auf das Thema, indem er sich weigert bieten eine spezifische Definition für das Wort selbst. Er sagt: "Sie dürfen nicht erwarten, dass ich versuche, diese unklare Region mit Definitionen zu erfassen". Freud sagt: "Wir alle kennen diese andere Welt" der Mystik, die jenseits der bewährten Gesetze der Wissenschaft existiert. Anschließend diskutiert er die Mystik, als ob das Publikum dem Thema gegenüber skeptisch ist.

Aus psychologischer Sicht argumentiert Freud, dass die Menschheit eher an Wunder und das Paranormale glaubt. Er sagt, die Leute werden von der Realität gelangweilt, und "Vernunft" ist nicht aufregend genug, um Freude daran zu finden. Er behauptet, dass die Menschen die faszinierende Natur der Mystik annehmen, weil sie ihr alltägliches Leben anregt. Freud erkennt die Faszination der Menschheit für das Unsichtbare und das Wunderbare an, behauptet aber, dass "Vernunft und Wissenschaft" die größten Stärken der Menschheit sind.

Freud sagt, dass die Mystik historisch nichts Neues für die Menschheit bietet. Er argumentiert, dass Mystik den Religionen hilft, den Fortschritt der Wissenschaft abzuwehren, und dass religiöse Berichte über Prophezeiungen, Erscheinungen und Wunder phantasievolle Fabeln sind, die mit Unsinn, Betrug und Ignoranz gefüllt sind. Freud gibt jedoch zu, dass es keine Möglichkeit gibt, diese Behauptungen zu beweisen oder zu widerlegen, und was in der Antike geschah, kann heute nicht getestet oder bestätigt werden. Er behauptet, dass diejenigen, die mystischen Lehren folgen, Scharlatane, Quacksalber, Gedankenleser und Lügner sind.

Freud beschließt jedoch, Mystik zu Beginn der Vorlesung zu kritisieren, als ob es wissenschaftliches Material wäre. Während des Vortrags informiert er das Publikum darüber, dass er das Thema Mystik auf das Niveau der wissenschaftlichen Forschung heben wird. Er ist sich vollkommen bewusst, dass er gegen die Flut von intellektuellen, psychologischen und historischen Faktoren vorgeht. Er ändert seinen Ton und argumentiert, dass jede wissenschaftliche Theorie in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen vernünftig sein muss. Er nennt ein Beispiel, in dem das Erdzentrum mit Schwermetallen statt mit Marmelade gefüllt ist, als eine vernünftige Annahme. Er sagt, dass eine mystische Hypothese behaupten könnte, es gäbe "einen Stau im Zentrum der Erde", was zu sofortiger Ablehnung führe. Freud weist jedoch darauf hin, dass die unmittelbare Ablehnung einer Theorie "falsch und schädlich" sein kann. Er erinnert sich an die negative Reaktion, die er von der medizinischen Gemeinschaft erhielt, als er über die Existenz des "Unbewussten" schrieb. Freud sagt, er sei auf die gleiche Art von Verurteilung gestoßen, die Mystiker im Laufe der Jahrhunderte erlebt haben. Folglich warnt er seine Zuhörer, eine Hypothese, die ausschließlich auf intellektuellen Überlegungen beruht, nicht abzulehnen.

Überraschenderweise stellt Freud am Ende des Vortrags seine eigene Skepsis gegenüber der Mystik in Frage: "Wenn man sich selbst als Skeptiker ansieht Es ist ein guter Plan, gelegentlich Zweifel an der eigenen Skepsis zu hegen. Vielleicht habe ich auch eine heimliche Neigung zum Wunderbaren, die auf halbem Wege der Schaffung okkulter Tatsachen entgegentritt. " (Freud, 1965, S. 53) Eine "halbherzige" Annäherung an okkulte "Tatsachen" bedeutet eine große Veränderung in Freuds Denken. Er lehnt den Begriff der Mystik nicht mehr ab und gibt zu, intuitiv zu seinen unwissenschaftlichen Erklärungen hingezogen zu sein. Er nimmt jedoch die Mystik keineswegs auf, sondern ist fasziniert von den Möglichkeiten des Unbekannten und des Unsichtbaren. Daher betrachtet Freud die Mystik nicht mit äußerster Skepsis und äußert seine Neugier auf "andere weltliche" Geheimnisse, die die Wissenschaft vielleicht niemals erklären kann.

Arbeiten zitiert

Coward, HG (1977; ). Mystiker und Gelehrte: Die Calgary Konferenz über Mystik, 1976. Waterloo: Wilfried Laurier University Press

Freud, S. (1965). Neue einführende Vorlesungen über Psychoanalyse. (J. Strachey, Trans.) New York: W.W. Norton & Company.

Wagner, K.V. (2008). Carl Jung Biografie (1875-1961). Abgerufen am 13. März 2008.

http://psychology.about.com/od/profilesofmajorthinkers/p/jungprofile.htm

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Source by R Waxman